The Game Changers – Wie viel Wahrheit steckt dahinter?

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The Game Changers FIlmkritik

Ende Oktober 2019 erschien The Game Changers auf Netflix und ist seither in aller Munde. Hinter dem sogenannten Dokumentarfilm stecken Hollywood-Größen und bekannte Spitzensportler wie James Cameron, Arnold Schwarzenegger und James Wilks. Der Film will demonstrieren, dass Sportler mit einer rein veganen Ernährung bessere Leistungen erbringen können. Gleichzeitig weisen sie nachdrücklich auf die Nachteile einer Diät mit Fleisch und Milchprodukten hin.

Ich sage bewusst „sogenannter“ Dokumentarfilm, da der Streifen meiner Meinung nach nicht die nötigen Kriterien erfüllt, sich so zu nennen. Die Darstellung der Tatsachen ist extrem einseitig sowie häufig aus dem Kontext gerissen. Wissenschaftliche Argumente wurden falsch interpretiert oder fehlen zum Teil völlig.

Es geht mir hier nicht darum, mich gegen einen veganen Lebensstil auszusprechen. Genauso wenig will ich den Konsum von Fleisch und Milchprodukten rechtfertigen. Viel mehr geht es mir um die Darstellung von wahren Fakten. Mit diesem Beitrag möchte ich die Ungereimtheiten und widersprüchlichen Aussagen der Produzenten aufzeigen. Um den Rahmen nicht zu sprengen, gehen ich dabei vor allem auf die Kernaussagen des Films ein.

Die Hauptaussagen des Films The Game Changers

  • Mit veganer Ernährung ist mehr Leistung und Ausdauer im Sport möglich.
  • Veganer leben gesünder und laufen weniger Gefahr, eine Herz-Kreislauf-Krankheit oder Krebs zu erleiden.
  • Vegane Männer genießen eine bessere Sexualfunktion.

Mit folgenden Methoden untermauern die Filmemacher ihre Aussagen:

  • Eigene Experimente.
  • Gezielt ausgesuchte vegane Leistungssportler, gezeigt bei besonders erfolgreichen Momenten.
  • Eine gewaltige Menge an Studien, die etwas zu oft aus dem Kontext gerissen und falsch interpretiert wurden oder keine wirklichen Studien sind.
  • Interviews mit (voreingenommenen) Experten.
  • Rosinenpickerei. Das bedeutet, nur bestimmte Seiten eines Sachverhaltes zeigen, damit das Ergebnis zur eigenen These passt. Eben die Rosinen herauspicken.

Vegan vs. vegetarisch

Bevor es los geht, möchte ganz kurz auf den groben Unterschied zwischen veganer und vegetarischer Ernährung hinweisen. Eine vegane Diät verzichtet auf alle tierischen Produkte. Der Vegetarier hingegen lässt lediglich Fleisch und Fisch weg, Milchprodukte und Eier nimmt er zu sich.

Die Macher von The Game Changers

Alle Produzenten des Films profitieren in irgendeiner Art vom Veganismus. Sei es, weil sie vegane Nahrungsergänzung verkaufen, Bücher zum Thema schrieben oder eine Beratungsfunktion inne haben. Grundsätzlich würde das kein Problem darstellen, allerdings wird es mit keinem Wort erwähnt.

  • James Cameron gründete vor zwei Jahren zusammen mit seiner Frau Suzy Amys Cameron das Unternehmen Verdient Food. Dieses produziert Erbsenproteine, die als Nahrungsergänzungsmittel für Veganer fungieren. Ihr selbsterklärtes Ziel ist es, zum größten Hersteller von Erbsenprotein in Nordamerika zu werden.
  • Arnold Schwarzenegger ist Miteigentümer der Unternehmens „Ladder“, das unter anderem vegane Nahrungsergänzungsmittel für Sportler verkauft.

In einem Interview mit Loox hat Schwarzenegger übrigens auf folgende Frage geantwortet:

Inzwischen sollst du auch Veganer geworden sein und kein Fleisch mehr zu dir nehmen …

Nein, das stimmt nicht. Das sind Fake News. Die Wahrheit ist, dass ich meinen Verzehr von tierischen Produkten um 70 Prozent reduziert habe. Das heißt, dass ich während der Woche so gut wie keine Tierprodukte esse und am Wochenende gönne ich mir weiterhin mein Wiener Schnitzel oder ein Steak. Ich bin also nur ein 70-prozentiger Veganer im Gegensatz zu James Cameron, der es zu 100 Prozent geworden ist.
  • James Wilks führt als Sprecher durch den Film. Zu Beginn erklärt der frühere MMA-Kämpfer, dass er einen schweren Sportunfall erlitt. Während seiner sechsmonatigen Genesung las er Unmengen an wissenschaftlichen Magazine über Ernährung. Daraufhin wurde er Veganer.
James WIlks in The Game Changers, Filmkritik.
James WIlks erforscht die vegane Ernährung während seiner Genesung.

Die Experten im Film The Game Changers

Bei den herangezogenen Experten sieht es ähnlich aus. Dr. Dean Onish, Dr. Aaron Spitz, Dr. Robert Vogel und Dr. Caldwell Esselstyn sind Autoren von Büchern, die eine vegane Ernährung empfehlen. Dr. Aaron Spitz verfasste The Penis Book (Das Penis Buch). Das Werk handelt von der verbesserten Penisfunktion bei rein pflanzlich basierter Ernährung.

Dr. James Loomis und Dr. Columbus Batiste schreiben für eine Webseite, die vegane Ernährungspläne erstellt. Dr. Kim Williams ist veganer Kardiologe.

„Gladiatoren waren Vegetarier“

Bei seiner wissenschaftlichen Lektüre stieß Wilks auf einen Artikel, der besagt, dass Gladiatoren sich vorwiegend pflanzlich ernährten. Ihn erstaunt, dass sie dennoch so unglaublich stark waren. Bei der sogenannte Studie handelt es sich um einen Artikel, der auf Forschungen der Österreicher Fabian Kanz und Karl Großschmidt beruht.

Sie untersuchten Knochen aus einem Gladiatorenfriedhof in der heutigen Türkei. Aufgrund der Knochenzusammensetzung schlossen sie darauf, dass die Ernährung der antiken Kämpfer überwiegend pflanzlich war.

Es ist wichtig zu verstehen, dass sich aus einem einzigen Fund keine wissenschaftliche Aussage ableiten lässt. Dazu sind Vergleiche nötig. Die Beweislage sähe anders aus, wären sie aufgrund von Untersuchen aus verschiedenen Fundorten zum gleichen Ergebnis gekommen.

Fabian Kanz, The Game Changers, Filmkritik
Fabian Kanz im Interview mit The Game Changers.

…oder doch nicht?

Neuere Untersuchungen ergaben, dass die Gladiatoren sehr wohl auch Fleisch konsumierten. Außerdem resultierten aus einigen der Knochen sehr unterschiedliche Ergebnisse. Die Forscher schlossen daraus, dass die Ernährung der Gladiatoren von der Region, in der sie lebten, abhängig war.

Wilks verschweigt geflissentlich ein weiteres Forschungsergebnis von Kanz und Großschmidt. Die von ihnen untersuchten Gladiatoren waren fettleibig, ähnlich wie Sumo-Ringer. Dies wurde durch eine kohlenhydratreiche Ernährung absichtlich erzielt. Die Fettschicht diente als Schutzschild vor ernsthaften Verletzungen.

„Mit veganer Ernährung ist mehr Leistung und Ausdauer im Sport möglich“

Zunächst einmal sei vorweggenommen, dass The Game Changers sich ausschließlich auf die Ernährung von Spitzensportlern bezieht. Durch ihr hartes Training verbrennen diese weitaus mehr Energie als „normale“ Menschen und benötigen entsprechend eine andere Diät.

Alle im Film vorgestellten Sportler sind Veganer. Wäre die Aussage des Films „Schau, mit veganer Ernährung lässt sich genauso gute Leistung erbringen wie mit omnivorer Ernährung!“, wäre das völlig in Ordnung. Stattdessen wird behauptet, dass mit Veganer eine bessere Leistung erbringen.

Sportlerdiäten

Dr. James Loomis, ehemaliger Arzt eines NFL-Teams, erklärt ausführlich, warum Fleisch kein Energielieferant ist. Er präsentiert diese Tatsache, als ob sie eine bahnbrechende Erkenntnis wäre. Tatsächlich wissen Sportwissenschaftlern, Ernährungsexperten sowie Leistungssportler seit über hundert Jahren, dass Proteine keine Energie liefern. Dafür, und um die Ausdauer zu verbessern, nehmen sie Kohlenhydrate und Kalorien zu sich.

Dr. James Loomis in The Game Changers, FIlmkritik
Dr. James Loomis erklärt für The Game Changers alt bekannte Fakten.

Überhaupt behandelt der Film Sportlerdiäten, als gäbe es lediglich solche, die auf wenig Kohlenhydraten basieren oder auf wenig Proteinen. Das stimmt so nicht. Je nach erbrachter Leistungsart gibt es passende Diäten.

Spitzensportler

Im Laufe des Films lernen wie mehrere erfolgreiche vegane Spitzensportler kennen. Darunter Carl Lewis, Morgan Mitchell, Dotsie Bausch, Kendrick Farris, Patrik Baboumian und Mischa Janiec. Manche von ihnen glauben, ihre rein pflanzliche Ernährung habe diese Erfolge ermöglicht. Was sagt das über alle Fleisch essenden Olympiasieger und Medaillenträger aus? Wären sie mit einer veganen Ernährung noch besser?

Für mich erklärt dies lediglich eine Tatsache: Mit veganer Ernährung sind genauso gute Leistungen möglich wie mit omnivorer.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt bleibt hier unerwähnt. Alle veganen Athleten nehmen Nahrungsergänzungsmittel zu sich. Darunter vegane Proteinpulver und Kreatin.

Beispiel McGregor und Nate Diaz

Auf jeden der porträtierten Sportler einzugehen, würde den Rahmen sprengen. Daher beschränke ich mich auf ein Beispiel dafür, wie Game Changers Aussagen aus dem Kontext nimmt. Der Film zeigt, wie der Veganer Nate Diaz im März 2016 gegen Conor McGregor antritt. Beide sind MMA-Kämpfer bei der UFC, McGregor im Leichtgewicht und Diaz im Weltergewicht.

Conor McGregor, The Game Changers, Filmkritik
Conor McGregor isst ein leckeres Steak. War es Schuld an seiner Niederlage?

Zunächst sehen wir McGregor, wie er ein Steak isst und vor laufender Kamera stolz erklärt, er äße jeden Tag mehrmals Fleisch. Dann sehen wir McGregor wie er den Kampf verliert. In einem anschließenden Interviewausschnitt sagt McGregor: „Neun Tage vor dem Kampf begann ich, täglich zwei Steaks zu essen. Das hat mir am Ende wohl Probleme bereitet.“ Die Aussage wird im Kontext von Game Changers so verstanden, dass er den Kampf verlor, weil er Fleisch gegessen hat. Abgesehen davon, dass es völlig unsinnig ist, nur die Ernährung für ein Kampfergebnis verantwortlich zu machen, wurde diese Aussage aus dem Kontext gerissen.

Nate Diaz nach dem Sieg gegen McGregor
Nate Diaz nach dem Sieg gegen McGregor

McGregor sollte ursprünglich gegen Rafael dos Anjos im Leichtgewicht antreten. Dieser erlitt aber kurz vor dem Kampf eine Verletzung. McGregors neuer Gegner war Diaz, der zwei Gewichtsklassen über ihm lag. Somit hatte er nur elf Tage Zeit, sieben Kilo zuzunehmen. Worauf er sich im Interview bezog, war, dass Steak ganz klar die falsche Wahl war, um an Gewicht zuzulegen. Wir sehen, mit veganer oder omnivorer Diät hat diese Aussage nichts zu tun. Übrigens wird genauso verschwiegen, dass er fünf Monate später gegen Diaz gewann.

„Kuhmilch erhöht den Östrogenspiegel“

Gemäß The Game Changers erhöht das Trinken von Kuhmilch den Östrogenspiegel eines Mannes in nur einer Stunde um 26 Prozent. Gleichzeitig senkt es den Testosteronspiegel um 18 Prozent.

Tatsächlich gibt es eine Studie zum Einfluss der Milch schwangerer Kühe auf uns Menschen. Sie zeigt, dass der Östrogenspiegel der Männer anstieg und die Testosteronproduktion vorübergehend leicht abnahm. Allerdings nur während der ersten zwei Stunden nach Einnahme der Milch. Danach sind die Werte wieder rückläufig.

Pflanzliches Protein vs. tierisches

Unser Körper benötigt Proteine, auch Eiweiße genannt, unter anderem zum Aufbau von Muskeln und der fettfreien Körpermasse. Daher achten vor allem Kraftsportler auf eine proteinreiche Ernährung. Tierische Proteine sind in Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten enthalten. Pflanzliche beispielsweise in Hülsenfrüchten, Getreide und Nüssen.

Proteine sind vor allem darum ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung, da sie uns Aminosäuren liefern. Tierisches Protein ist mit allen neun essenziellen Aminosäuren ausgestattet, während es den pflanzlichen immer an mindestens einer mangelt. Je kompletter das Aminosäuren-Profil eines Proteins, desto besser kann unser Körper es aufnehmen. Das macht das tierische Protein also nicht besser, sondern effizienter. Wenn wir uns rein pflanzlich ernähren, müssen wir entsprechend auf die geeignete Kombination achten, um unseren Bedarf zu decken.

Wieso die Kuh essen, statt direkt die Pflanze?

Bei seiner Lektüre lernte Wilks, dass Tiere Proteine aus den Pflanzen beziehen. Wir wiederum hauptsächlich aus den tierischen Nahrungsmitteln. Seine Schlussfolgerung: Warum nicht die Kuh überspringen und direkt auf pflanzliche Ernährung zurückgreifen?

Kühe als Proteinlieferant, The Game Changers
Überspring die Kuh, iss Gras! Oder lieber doch nicht?

Mir fehlen die Worte. Kleiner Denkanstoß: Wie würde es sich wohl auf die körperliche Leistung eines Menschen auswirken, wenn sich dieser allein von Gras ernährt? Eine Kuh hat sieben Mägen. Ihr Magen-Darm-Trakt funktioniert anders als unserer und verfügt über spezielle Mikroorganismen, um pflanzliche Ballaststoffe in Proteine umzuwandeln.

Im Verlauf des Films stoßen wir auf ähnliche Vergleiche zwischen Mensch und Tier. Die Antwort darauf ist immer dieselbe. Der Körper dieser Tiere funktioniert nicht gleich wie unserer und wandelt Proteine anders um.

Beispiel Erdnussbutter-Sandwich

The Game Changers erklärt zunächst, dass beide Eiweißarten gleichwertig sind, wenn überhaupt ist die pflanzliche etwas besser. Als Beispiel geben sie an, dass ein Sandwich mit Erdnussbutter genauso viele Proteine liefert wie drei Eier oder 85 Gramm Steak. Grundsätzlich stimmt das. Allerdings enthält das Sandwich doppelt so viel Kalorien und sogar 25 Prozent mehr Fett.

Da pflanzliche Proteine in der Regel mit vielen Kohlenhydraten und Kalorien verbunden sind, ist es schwierig, als Veganer seinen Proteinbedarf zu decken, ohne gleichzeitig zuzunehmen.

Ähnlich unwissenschaftlich ist der Vergleich zwischen Eisbergsalat und Lachs. Letzterer hat viele gesunde Nährstoffe, wie beispielsweise entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren.

Vegane Ernährung vermindert das Krebsrisiko

Später geht der Film darauf ein, dass eine Ernährung mit tierischen Proteinen ein erhöhtes Krebsrisiko zur Folge hat (hieß es nicht eben noch, beide Proteine seien gleichwertig?). Als Beleg dafür geben sie hauptsächlich epidemiologische Studien an. Diese Art von Studien sind sogenannte Beobachtungsstudien, welche den Zusammenhang zwischen einer Erkrankung und deren Ursachen erforschen. Das heißt, sie machen keine Aussagen über Ursache-Wirkung, beziehungsweise die Kausalität.

Viele epidemiologische Studien stellen durchaus einen Zusammenhang zwischen Krebserkrankung und dem Konsum von tierischen Proteinen. Eine der größten Studien zum Thema wertete die Daten von über sechs Millionen Teilnehmern aus. Das Ergebnis zeigte, dass der Konsum von rotem oder verarbeitetem Fleisch einen minimalen Effekt auf die Krebsrate hat. Die Beweiskraft der Studie wurde als gering bis sehr gering eingeschätzt.

Zudem sind die verschiedenen Studienergebnisse nicht konsistent. Denn andere konnten kaum gesundheitliche Unterschiede zwischen Vegetariern und „gesundheitsbewussten Nichtvegetariern“ aufzeigen. Ernährungsexperten heute sind der Meinung, dass es nicht auf einzelne Lebensmittel ankommt, sondern auf die Zusammensetzung unseres Speiseplans.

Später im Film wird behauptet, das im Fleisch enthaltene Hämoglobin führe zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch bei allen dazu geführten Studien handelt es sich um Beobachtungsstudien, die lediglich auf einen Zusammenhang deuten.

Das Burrito-Experiment von The Game Changers

Eigens für den Film The Game Changers wurden zwei Experimente durchgeführt. Eines soll zeigen, dass der Verzehr von Fleisch zu erhöhten Blutfettwerten führt. Das andere, dass Veganer bessere Erektionen genießen.

Den Resultaten vorweggenommen sei, das ein Experiment an dem lediglich drei Personen teilnehmen, ganz klar nicht als wissenschaftlich durchgeht.

Das Burrito-Experiment, Blutfettwerte, The Game Changers
Das Burrito-Experiment

„Fleisch lässt die Blutfettwerte in die Höhe steigen“

Eine erhöhte Menge von Fettsäuren im Blut hindert die Gefäße daran, sich zu weiten. Dies wiederum beeinträchtigt die sportliche Leistungsfähigkeit. Die “Experten“ von The Game Changers erklären, dass Fleischkonsum den Blutfettspiegel erhöht und daher ein für Sportler ungeeignetes Lebensmittel ist.

Um diese Aussage zu beweisen, essen drei College-Footballspieler unterschiedliche Burritos. Einer ist mit Hühnchen und Käse gefüllt, einer mit Rindfleisch und Käse und einer ist rein vegan, mit Bohnen und Guacamole.

Danach wird ihnen Blut abgenommen und das darin enthaltene Plasma separiert. Bei den Spielern die Burritos mit Fleisch aßen, wies das Plasma eine trübe Färbung auf. Dies galt als Beweis, dass ihre Blutfettwerte höher waren. Vermutlich wurde dabei etwas nachgeholfen.

Burrito Experiemnt 1, Ergebnis, The Game Changers
Links das viel durchsichtigere Plasma des jungen Mannes, der den veganen Burrito hatte, ohne die darin enthaltene Avocado zu erwähnen. Rechts das trübere Plasma der beiden, die Burritos mit Fleisch hatten.

Denn die trübe Färbung weist auch auf das Vorhandensein anderer Stoffe hin. Ausserdem haben die in der Guacamole enthaltenen Avocados einen hohen Fettanteil. Dieses wird von unserem Darm gleich aufgenommen wie tierisches Fett, er macht da keinen Unterschied. In der Tat zeigen Studien, dass Avocados und ähnliche pflanzliche Fette die Blutfettwerte genauso ansteigen lassen, wie vergleichbare Fette tierischen Ursprungs.

„Veganer haben bessere Erektionen“

Als nächstes nimmt Dr. Spitz die Sexualfunktion dreier junger Athleten unter die Lupe. Er erklärt, dass eine vegane Diät die Sexualfunktion bei Männern verbessert.

Am ersten Tag bekommen die drei je einen Burrito mit Biofleisch. Am darauffolgenden Tag eine vegane Version. Eine Nachtsichtkamera filmte dabei jeweils ihre nächtliche Erektion. Das Resultat: Nach dem veganen Abendessen erhöhten sich Intensität, Häufigkeit und Dauer der Erektionen beträchtlich. Spannend!

Burrito Experiment Teil 2, Sexualfunktion, The Game Changers
Der zweite Teil des Burrito Experiments.

Wie Dr. Spitz selber zugibt, ist ein Experiment, das zwei Nächte lang dauert und nur drei Teilnehmer hat, kaum repräsentativ. Auch findet sich bislang keine weitere kontrollierte Studie mit einem vergleichbaren Ergebnis. Zum Einfluss von Stress auf erektile Funktionsstörungen beispielsweise gibt es viele Studien.

Was stimmt, ist, dass Veganer und Fleischesser zwar gleich hohe Testosteronspiegel haben, die Veggies aber einen höheren Anteil an SHBG. Dabei handelt es sich um ein Sexualhormon-bindendes Globulin, ein Bluteiweißstoff, der unter anderem das Hormon Testosteron transportiert. Während es an das Testosteron gebunden ist, steht dieses dem Körper nicht frei zur Verfügung. Mit anderen Worten, es hat nicht die von so manchen Männern erwünschte Wirkung.

„Menschen sind ursprünglich Pflanzenfresser“

Dagegen habe ich keinen Widerspruch einzuwenden. Allerdings ist das für mich kein Argument für oder gegen Veganismus. Wir haben auch mal in Höhlen gelebt und trotzdem ziehe ich meine beheizte Wohnung mit Parkettboden vor. Wir haben unser Essen ursprünglich selber gejagt oder gesammelt und trotzdem kaufe ich lieber im Supermarkt ein.

Fazit

The Game Changers will den Zuschauer davon überzeugen, dass eine vegane Ernährung Spitzenleistungen im Sport (z.b Calisthenics) ermöglicht. Den Machern des Film fehlt dabei nicht nur komplett der nötige wissenschaftliche Hintergrund, die herangezogenen Wissenschaftler und Ärzte profitieren zudem allesamt vom Veganismus. Da könnte ich noch ein Auge zudrücken, aber es wurden so oft Aussagen aus dem Kontext gerissen, Informationen verschwiegen und Studien fehlinterpretiert, dass es schwer fällt, den Film ernst zu nehmen. Trotz einiger wahren Aussagen.

Zudem zeigt der Film ausschließlich Leistungssportler. Deren Diät ist nicht nur grundsätzlich anders als die eines Normalbürgers, sondern sie nehmen zusätzlich vegane Proteinpulver und andere Ernährungsergänzungen zu sich. Mit den Tipps im Film ist also höchste Vorsicht geboten.

Ich bin nicht gegen vegane Ernährung und sehe ganz klar, welche Vorteile sie bringen kann. Wichtig ist, nicht alles zu glauben, sondern sich aktiv zu informieren. Wer seine Diät dann umstellen möchte, sollte dies beispielsweise mit der Unterstützung eines Ernährungsberaters tun. Er oder sie erklärt, wie man ohne Tierprodukte genügend Proteine, Vitamin B12 und Eisen zu sich zu nehmen kann.

Die eigene Ernährung ist eine persönliche Entscheidung. Ausschlaggebend für unsere Gesundheit ist aber nicht, ob tierische Produkte auf dem Speiseplan stehen, sondern ob wir uns ausgewogen ernähren.

Ich hoffe euch konnte meine Game Changers Kritik weiterhelfen. Hinterlasst doch ein Kommentar mir eurer Meinung

 

Bildquellen:
Alle Bilder sind aus dem Film The Game Changers von Netflix.

5 Kommentare

    • Hey Franky,
      danke für die Mühe die Du dir gemacht hast…. Respekt ✌🏼
      Wie wäre es denn wenn du es einfach mal selbst ausprobierst ?
      Ich bin keine Hardcore Veganerin, aber wenn ich mir überlege ob ich eine Hühner Plazenta (Ei) essen soll, könnte ich auch meine essen ! Oder Milch von künstlich schwanger gehaltenen Kühen trinken soll……nee nee 🥴
      Und das Fleisch Karzinome hervorrufen kann, warum soll ich den das Risiko eingehen ? Na ja kurz und gut, jeder muss das für sich entscheiden 😊 wir werden es nie jedem Recht machen können in diesem Sinne schönen Abend und Gruß Lia 👋🏼

      • Hallo Lia,
        danke für das Lob.

        Ich versuche schon einiges weniger Fleisch zu Essen. Aber ganz werde ich nicht verzichten. Ist mir persönlich auch zu stressig. Habe schon einiges mehr Gemüse und Obst eingebaut in meine Ernährung. Auch wenn mir das mit dem Gemüse schwer fällt, muss ich zugeben. Außer Salat mit geilem Dressing.
        Ich will auch mal weg gehen und ein geiles Schnitzel Essen können. Oder Rührei mit Speck – ohne mir groß Gedanken machen zu müssen.
        Das wir alle mehr auf unseren Konsum achten sollten – ist denke klare Sache.

        Und wie du sagst: Jedem recht machen können wir es nicht. Jeder muss selber seinen Weg finden und sich damit beschäftigen.

        Dir alles gute

        Gruß
        Franky

  1. Hallo Franky,
    Ich habe mal eine Frage und zwar versteh ich folgendes nicht so gut:
    Denn die trübe Färbung weist auch auf das Vorhandensein anderer Stoffe hin. Ausserdem haben die in der Guacamole enthaltenen Avocados einen hohen Fettanteil. Dieses wird von unserem Darm gleich aufgenommen wie tierisches Fett, er macht da keinen Unterschied. In der Tat zeigen Studien, dass Avocados und ähnliche pflanzliche Fette die Blutfettwerte genauso ansteigen lassen, wie vergleichbare Fette tierischen Ursprungs.
    Müsste dann nicht auch das Blut von dem der den Veganen Burrito gegessen trüb sein. Denn die haben doch auch den Veganen Burrito mit Avocado beschmiert aber sein Blut ist ja trotzdem komplett Klar. Jetzt wollte ich kurz nachfragen ob ich deine Aussage Falschverstanden habe.

    LG Jonas

    • Hi Jonas, da hast du völlig recht! Wie im Artikel erwähnt, wurde bei der Färbung des Blutplasmas wohl etwas nachgeholfen, um die Behauptung zu unterstreichen, Fleisch zu essen sei ungesund.

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