Taekwondo: Eine Kampfkunst zwischen Tradition und Moderne

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taekwondo sandsack kick

„Art of Kicking“, „Korean Karate“ oder schlicht Taekwondo – es gibt viele verschiedene Begriffe, unter denen der beliebte koreanische Kampfsport in der westlichen Hemisphäre bekannt wurde …

Eine Kampfkunst, die in den 1950 er Jahren entstand und deren Namen auf General a. D. Choi Hong-hi zurück geht.

Schwierige Anfänge

Denn mit dem Ende des zweiten Weltkriegs begannen verschiedene Gruppierungen, die ureigenen Kampfkünste des Landes wieder aufleben zu lassen, die während der Besatzung durch Japan verpönt waren.

Das hatte Korea im Jahre 1910 annektiert, wobei die neuen Herren ihre ureigenen Kampfsportarten, wie Jiu-Jitsu und Karate, mit in das besetzte Land brachten. Ein „Erbe“, das – zumal im traditionellen Taekwondo – bis heute klar ersichtlich ist. Denn viele Formen ähneln dem japanischen Shotokan, wohingegen erst das olympische Taekwondo seine eigenen, unverkennbaren Bewegungsabläufe, Poomsae genannt, etabliert hat.

Karate orangene gürtel

Auf nach Amerika!

Daher reden viele, zumal beim traditionellen Taekwondo, vom Koreanischen Karate, ein Begriff, der vor allem in den Staaten äußerst populär ist.

Dorthin gelangte Taekwondo nach dem Koreakrieg und ist auch von zahlreichen Schauspielern in ihren Filmen als schlagkräftiges Argument benutzt worden. Unter anderem von Chuck Norris (8. Dan), der in der Serie „Walker, Texas Ranger“ auch ein bisschen sich selbst spielt. Schließlich sind Norris Eltern halb irischer, halb indianischer Abstammung, gerade so, wie im Film Cordell Walker eine enge Beziehung zu der indigenen Bevölkerung des Staates pflegt.

Auch Kampfsport-Amazone und Karate-Weltmeisterin Cynthia Rothrock erlernte, neben chinesischen Stilrichtungen, die beiden koreanischen Kampfkünste Taekwondo und Tang Soo Do. Inklusive der akrobatischen Kicks, die sie auch in vielen ihrer Filme gezeigt hat.

Koreanisches Karate?

Dabei ähneln jedoch gerade das klassische Taekwondo und Tang Soo Do mit ihren altehrwürdigen Formen, Hyong genannt, dem japanischen Shotokan-Stil. Tatsächlich gilt als gesichert, dass Choi Hong-hi während der Besatzung durch die japanischen Truppen zunächst Karate trainiert hat.

Auch das Hapkido ist keine rein koreanische Kunst ist. Denn Choi Yong-sul und Großmeister Ueshiba hatten denselben Lehrer. Beide übten zunächst bei Takeda Sōkaku, einem Vertreter des Daitō-ryū Aiki-jūjutsu, ehe dann Ueshiba sein Aikido und Choi Yong-sul nach seiner Rückkehr nach Korea das Hapkido etabliert hat.

Insofern muss – jenseits jeden Nationalstolzes – der tatsächliche Ursprung manch einer Kampfkunst hinterfragt werden. Zumindest jedoch gilt als unsicher, ob Choi Hong-hi tatsächlich das alte Taekyon, eine originäre koreanische Kampfkunst, trainiert oder doch „nur“ sein umfangreiches Wissen aus dem japanischen Karate im Taekwondo neu interpretiert hat?

Akrobatische Kicks und vieles mehr

Typisch für jeden Taekwondo-Stil sind die teils akrobatischen Kicktechniken, die oftmals aus Drehungen heraus oder auch im Sprung ausgeführt werden. Ein Können, das bereits im Namen dieser faszinierenden Kampfkunst aufblitzt. Denn „tae“ bedeutet so viel wie „im Sprung treten“, während „kwon“ für die Fausttechniken steht und Do mit „Methode“ oder „Weg“ übersetzt wird.

Tatsächlich werden im Taekwondo weit mehr Beintechniken eingesetzt, als das bei den meisten Karate-Stilen der Fall ist. Typisch ist zum Beispiel der Naeryo-Chagi, ein Abwärtskick, der im Kickboxen auch als „Axt-Tritt“ bekannt ist. Dazu kommt die Tatsache, dass im Taekwondo viele Tritte aus einer Körperdrehung heraus an Kraft gewinnen und dann ihr Ziel suchen.

Dennoch wäre es falsch, wenn Taekwondo allein auf seine Kicks und Sprünge reduziert würde. Denn es gibt auch kraftvolle Fauststöße und Handkantenhiebe, die unter anderem für den so genannten Kyok Pa, den Bruchtest, benutzt werden.

Der wird meist gegen – respektive auf – ein Holzbrett ausgeführt und soll die Wirksamkeit der bisher erlernten Techniken unter Beweis stellen. Ein Können, das im Taekwondo –  im Gegensatz zum Karate, wo der Bruchtest eher einen Show-Charakter besitzt – sogar prüfungsrelevant ist.

Die Sache mit den Formen

Speziell in den Formen, einer Art Schattenkampf, in dessen Verlauf mehrere imaginäre Gegner bekämpft werden, finden sich dann aber auch Bewegungen, die sich als Hebel, Wurf oder Würgetechnik deuten lassen. Ein Wissen, das nun – ähnlich dem Bunkai der japanischen Formen – auch im Taekwondo wieder auflebt. So gibt es zum Beispiel das Standardwerk „Taekwondo Poomsae Application“, also die Anwendung der modernen WTF Formen im Zweikampf, das von Jaeyeong Um verfasst wurde. Der wird am 5. und 6. Oktober wieder mal in Deutschland zu Gast sein. Ein Termin, der bestimmt auch für Hyong Stilisten und Anhänger des klassischen Taekwondo hochinteressant wird.

Denn leider erlebte auch das Taekwondo, wie viele andere Kampfsportarten, seine Krisen und eine Spaltung. Generell finden sich heute – neben kleineren Gruppierungen – zwei große Lager. Das klassische, mehr oder weniger kontaktlose Taekwondo, das sich nach wie vor auf Choi beruft und demnach auch die traditionellen Hyong läuft. Daneben der Olympische WTF Stil.

Erfreulicherweise näheren sich die beiden Lager, die International Taekwon-Do Federation (ITF) und das Word Taewkondo (WT) – nach einigen gemeinsamen Vorführungen – wieder an. Ohnehin gab und gibt es ja etliche Meister, die seit jeher beide Formen parallel trainiert haben.

black-belt-schwarzer gürtel

Taekwondo als Selbstverteidigung?

Manche verknüpfen das Taekwondo in ihren Schulen und Vereinen zudem mit dem Hapkido, das vor allem für seine zahlreichen und recht schmerzhaften Hebeltechniken bekannt ist.

Dabei muss dann – nahezu unweigerlich – die Frage nach der idealen Selbstverteidigung für Zivilisten gestellt werden. In diesem Zusammenhang vertritt Albrecht Pflüger, Fachautor und Großmeister im japanischen Shotokan-Karate, die Ansicht, dass es für Zivilpersonen völlig ausreicht, einen Angreifer durch Stöße und Schläge (ggf. auch Tritte) auf Distanz zu halten. Denn allein Vollzugsbeamte müssten einen Aggressor zu Boden bringen, fixieren und danach abführen.

Tatsächlich unterscheidet ja auch das israelische Krav Maga, als reines Nahkampf-System, zwischen der zivilen Selbstverteidigung – gar für Frauen und Mädchen – und jenen Techniken, die vornehmlich an Vollzugsbeamte gelehrt werden.

Fazit zum Taekwondo

Trotz seiner nicht völlig geklärten Ursprünge, ist Taekwondo eine faszinierende Kampfkunst, die ebenso für Kinder und Jugendliche wie auch Erwachsene in Betracht kommt. Selbst viele Volkshochschulen bieten heute Taekwondo-Kurse an; ebenso gibt es Schulen, in denen Trainer ihren Kampfsport als AG oder gar Schulsport etabliert haben.

Dabei hängt es gerade beim Taekwondo stark davon ab, wo die Schwerpunkte gesetzt werden. Viele sehen das koreanische Karate mehr / eher als Sport und ausgefeiltes Fitness-System. Ebenso kann Taekwondo mit seinen effektiven Kniestößen, Ellbogenschlägen und Handkantentechniken jedoch als Selbstverteidigung trainiert werden!

Bildquellen:

Pixabay: stevepb | Pixabay: patrickbrassard0 |Pixabay: taekwondo-am-tegernsee

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